Awareness auf dem Klingtjut

Awareness ist eine Struktur auf dem Festival, die für euch sorgt, falls ihr euch aus einem Grund unwohl fühlt, z.B. weil ihr von Grenzüberschreitung oder Diskriminierung betroffen seid. Durch die unten stehenden Inhalte wollen wir sensibilisieren und ein gemeinsames Bewusstsein für entsprechende Themen schaffen. Über weiteren Austausch während des Festivals freuen wir uns sehr.

Awareness ist außerdem eine Aufgabe für die ganze Gemeinschaft: Wir wollen, dass das Klingtjut ein Raum ist, an dem sich alle frei entfalten können und gegenseitig aufeinander achten. Wir wünschen uns einen solidarischen und wertschätzenden Umgang, und dass offen und respektvoll über Vorkommnisse und Fehler gesprochen wird.

 

1. Wie funktioniert Awareness bei uns?

Tagsüber ab 14 Uhr und nachts während der Party gibt es bei uns Awareness-Schichten, das sind immer zwei nüchterne Personen, die für euch jederzeit ansprechbar sind. Sie laufen über das Gelände und sind an einer Schärpe mit Lichterkette erkennbar. Die Menschen hinter dem Infopoint oder der Bar können die Awareness-Schicht auch für euch anfunken. Orga-Menschen (pinke Bändsel) können euch auch an das Awareness-Team weiterleiten, insbesondere außerhalb der Schichtzeiten.

Es gibt einen Rückzugsraum, der auch für vertrauensvolle Gespräche genutzt werden kann. Das Awareness-Team bespricht Fälle intern soweit wie möglich anonymisiert. Ihr könnt die Awareness auch über das Kontaktformular (vor allem nach dem Festival) erreichen, siehe unten.

2. Grundprinzipien

Awareness auf dem Klingtjut orientiert sich an etablierten Grundprinzipien. Die wichtigsten davon sind hier kurz erklärt:

Betroffenenzentrierung und Parteilichkeit
Awareness setzt sich parteilich an erster Stelle für die Bedürfnisse von Betroffenen ein, um sie zu unterstützen und zu bestärken. Awareness kann im Konsens mit Betroffenen auch mutmaßlich grenzüberschreitende Personen ansprechen, um z.B. auf kritische Äußerungen/Handlungen aufmerksam zu machen oder Wünsche von Betroffenen durchzusetzen.

Definitionsmacht
... ist das Recht von Menschen, die von Grenzüberschreitung betroffen sind/waren, zu definieren, was sie erfahren haben und ob dabei ihre Grenzen überschritten wurden.

Grenzüberschreitungen
... sind Handlungen anderer, die man selbst nicht will, z.B.:

  • physische und verbale Gewalt, auch sexualisierende Gewalt
  • Übergriffigkeit, als Einschränkung der Handlungsmöglichkeit oder Nichtbeachtung von offensichtlichen Bedürfnissen
  • Dominanz, also (auch subtiler) Ausdruck von Überlegenheit
  • einschränkende Interpretation (Mutmaßungen, Stereotype, Vorurteile)
  • Ausgrenzung, ebenso ungewollte Bevorzugung

Konsens
… vermeidet Grenzüberschreitungen durch offene Fragen, ohne dabei schon etwas anzunehmen. Konsens-Fragen sind interessiert, wertschätzend, drucklos und akzeptieren alle Antworten – auch keine Antwort, wenn das Gegenüber nicht antworten möchte oder kann.

Diskriminierung
… ist die Benachteiligung oder Herabwürdigung aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen Merkmalen wie z. B. Geschlecht, sexueller Identität, Herkunft, Aussehen, Religion, Behinderung, Alter, sozialer Stellung etc. Diskriminierung findet häufig in einem Machtgefälle statt.

Priviliegien
… sind im gewissen Sinne das Gegenteil von Diskriminierung, bei denen du im Machtgefälle oben stehst, d.h. Vorteile oder Rechte aufgrund sozialer Stellung. Bist du weiß, männlich, heterosexuell, wohlhabend, gesund, groß, …? Reflektiere, ob du diese Machtpotentiale direkt oder indirekt nutzt.

 

3. Wie ihr mithelft
  • Achte auf dich. Und die um dich herum: Geht’s ihnen gut? Haben sie genug Platz? Kannst du sie einbeziehen? Das gilt besonders für Kleinere, Schwächere, Schweigsame und Menschen mit Behinderung.
  • Sei tolerant und offen gegenüber Menschen und ihrem Verhalten. Frage lieber nach, statt zu interpretieren oder zu urteilen.
  • Konsens: Wenn andere keine deutliche Zustimmung signalisieren, frage nach. Ob sie sich mit dir unterhalten wollen, das Thema gut finden, und unbedingt, bevor du sie berührst. Nur ja heißt ja!
  • Schütze die Natur. Hebe Müll bitte auf, auch wenn er nicht von dir ist.
  • Sei bitte hilfsbereit. Erscheine zu deiner Schicht pünktlich und soweit versorgt. Kümmere dich als Mann auch um Aufgaben wie Putzen oder Auf-Kinder-Aufpassen.
  • Benutze diskriminierungsfreie Sprache und achte auf Pronomen (er/sie/they/keine etc. – im Zweifelsfall, frag nach).
  • Keine Sorge, Fehler passieren (aber besser nicht ständig wieder). Wir wollen eine offene und wertschätzende Fehlerkultur, bei der alle lernen können.
  • Sei respektvoll gegenüber Symbolen und Stilen anderer Kulturkreise: Mache dich mit ihrer Bedeutung vertraut und der Beziehung, die Menschen aus jenem Kulturkreis damit haben. Überlege dir, ob du sie tragen oder nutzen willst.
  • Achtsamer Umgang mit politischen Situationen und Konflikten auf der Welt: diese sind sensible Themen, bei denen eine Vielzahl von Betroffenheiten bestehen. Respektiere die Betroffenheit anderer Menschen.
4. Was ihr bitte nicht macht:
  • Gewalt sowie grenzüberschreitendes und diskriminierendes Verhalten werden nicht toleriert; siehe ⇨ Grundbegriffe.
  • Nationalflaggen; diese können ausgrenzend, einschüchternd oder politisch aufgeladen wirken. Bei uns ist nebenbei bemerkt kein Platz für Nationalismus.
  • Sich breit machen, durchdrängeln, für andere störend laut sein – vor allem nachts auf dem Campingplatz.
  • Rauchen in geschlossenen Räumen, neben Kindern und beim Essen.
  • Sich abschießen und dadurch für andere unangenehm sein oder sich selbst gefährden.
  • Oberkörperfrei außerhalb von Dusche, Sauna und Badestelle. Wir wollen, dass zumindest deine Nippel bedeckt sind.

 

Kontaktformular

Hallo,

vielen Dank, dass du dich an die Awareness-AG des KlingtJut wendest. Hier kannst du Situationen melden, in denen du dich selbst unwohl, unsicher oder übergriffig behandelt gefühlt oder etwas beobachtest hast. Wir freuen uns auch über Hinweise zu Barrierefreiheit und zu Machtstrukturen.

Wir behandeln deine Meldung vertraulich und nehmen sie ernst. Du kannst auch Ereignisse melden, die sehr lang her sind. Du entscheidest, was du teilen möchtest: Hilfreich sind Datum, Zeit, genauer Ort, beteiligte Personen, die genauen Ereignisse und Reaktionen darauf. Als betroffene Person ist allein deine Sicht entscheidend, du hast die Definitionsmacht. Verständnis für grenzüberschreitende Personen ist nicht nötig. Wir möchten, dass das Klingtjut für dich ein besseres Erlebnis wird!

Für eine anonyme Meldung lass die E-Mail-Adresse weg. Während des Festivals haben wir einen genauen Blick auf Meldungen und reagieren schnell; vor- und nachher kann es ein paar Tage dauern, bis wir uns bei dir zurückmelden.

Unser Ziel ist es, einen sicheren, respektvollen und barrierearmen Raum für alle zu schaffen. Vielen Dank, dass du dazu beiträgst!

 

Optional: Wie möchtest du von uns angesprochen werden? Auch gern ein Pseudonym.
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